Papst will sich mit sensationeller Öffnung der Kirche über Synode hinwegsetzen

Die Familien-Synode in Rom ist kaum beendet und das Abschlussdokument mit seinen 94 Abschnitten verabschiedet, da mehrt sich in den Medien bereits der Unmut über die geringen Fortschritte und die zahlreichen Kompromisse, die den kontroversen Standpunkten der liberalen und konservativen Lager bei den Synodenvätern geschuldet sind. Aus kirchlichen Kreisen, namentlich einigen Vertretern der Kurie, sickert es aber bereits durch: Der Papst wird sich nach dem Ende dieser Familien-Synode und zum 8. Dezember 2015, dem Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, über das Synodendokument gleich in mehreren Abschnitten ex cathedra hinwegsetzen.

So soll künftig den Bischofskonferenzen in den unterschiedlichen Ländern weltweit eine weitgehende lokale Lehrautorität zugebilligt werden. Insbesondere sollen damit dezentrale Entscheidungen über Zulassungen zu Sakramenten ermöglicht werden, da man sich im Rahmen der Bischofssynode auf keine einheitliche Handhabung (z. B. in Afrika und Europa) einigen konnte. Eine Verwirrung auf Seiten der Gläubigen, eine Verwässerung oder gar Verselbständigung der katholischen Lehre erwarte man dadurch nicht.

Um zumindest einige Punkte vereinheitlicht umzusetzen, soll künftig für wiederverheiratete Geschiedene die volle Gemeinschaft mit der Kirche hergestellt werden, d. h. Gläubige in zweiter Zivilehe werden nach seelsorgerlichen Gesprächen wieder zur Kommunion zugelassen werden. Es sollen darüber hinaus auch Wege gefunden werden, homosexuellen Paaren eine Eheschließung im Schoß der Kirche zu ermöglichen. Durch beide Maßnahmen versprechen sich Experten vermehrte Wiedereintritte in die Kirche in Europa.

Obwohl nicht ausführlich im Rahmen der Familien-Synode diskutiert, möchte Papst Franziskus auch innerkirchlichen Forderungen nachkommen und den Zölibat auf den Prüfstand stellen, zumal dieser regelmäßig Gegenstand öffentlicher Diskussionen ist und – wie am Beispiel der Ostkirche ersichtlich – als durchaus überflüssig gesehen werden kann. Als wichtigstes Argument für die Abschaffung des Zölibats in Folge der Familien-Synode sehe man die zunehmenden Schwierigkeiten mit der inversen Alterspyramide in europäischen Ländern. Hier kann die Diskriminierung römisch-katholischer Priester im Hinblick auf unterlassene Familiengründungen nicht weiter aufrecht erhalten werden.

Auch die Familiaren des Deutschen Ordens (FamOT) beschwerten sich bereits in Rom, dass ihr Stand auf der Familien-Synode nicht hinreichend berücksichtigt worden sei. So könne man die Spiritualität des Familiareninstituts im Alltag nur unzureichend leben, da es ihnen ja im Status Quo verwehrt bliebe, in regionalen Moschee-Vereinen ehrenamtlich tätig zu werden und so der großen Familie Gottes zu dienen.

Einen ganz großen Wurf verspricht sich Papst Franziskus allerdings von der Enttabuisierung gängiger Verhütungsmittel, insbesondere der Kondome. Ein verantwortungsvoller Umgang im Rahmen der christlich-homosexuellen Ehe und im Sinne der AIDS-Prävention bei außerehelichem Analverkehr sei gläubigen Sexualpartnern durchaus zuzutrauen. Das moderne Familienbild mit Patchwork-Sexualität erfordere ohnehin flexiblere Möglichkeiten, asoziale Verhältnisse und Verarmung durch Kinderreichtum zu unterbinden. Ein Zusammenhang mit der inversen Alterspyramide bestehe nicht.

Als Paukenschlag und letzte Konsequenz dieses lange überfälligen Aggiornamentos möchte der sonst so sanfte Papst Franziskus als Träger der Höchstgewalt (potestas suprema), als absoluter Monarch und als Souverän des Staates Vatikanstadt sowie unter freier Ausübung der Primatialgewalt (potestas immediata) schließlich etwas ungeheurliches wagen: Eine umfassende Kurienreform, die es so noch nie gegeben hat. So wie sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt vom Petrusamt etwas ganz außergewöhnliches tat, so wird auch er, als Nachfolger auf dem Stuhl Petri, etwas tun, das keiner erwartet hat:

Er wird als Anerkenntnis der modernen Wahrheiten, des Individualismus, des Atheismus, der Pluralität, der Wissenschaften, der äußerlichen Bedürfnisse des Menschen, des Relativismus und insbesondere der lauten Forderungen deutscher Kirchenkritiker, das unzeitgemäße Konstrukt des Vatikanstaats, die Kurie, den zweitausendjährigen Muff unter den Soutanen, das Konzept Gottes, die völlig unnötige Liturgie, die Gottesdienstfeierei und die teuren Bauten weltweit (kurz: Kirche) per Dekret auflösen und rechtlich in die Allgemeinheit überführen.

Diesem Schritt stehen keine nennenswerten Hindernisse mehr im Weg. Kirchenrechtlich wurde die Selbstauflösungsoption bereits geprüft. Größte Bedenken bereiteten dem Papst zunächst die bindende Gewalt des zweitausendjährigen Glaubensschatzes (depositum fidei) und die somit bereits geoffenbarten Wahrheiten, die jedoch durch einen kirchenjuristischen Kniff unangetastet bleiben werden: Die Selbstauflösung der Kirche kann wie ein Rückbau eines Atomkraftwerks verstanden werden. Indem man die wiederverwendbaren Materialien der Kirche abträgt und anderweitig einsetzt, bleibt die eigentliche Substanz erhalten, wenn auch zerlegt und anderen Bauten dienlich. Nicht recyclebare Wahrheiten werden in geeigneten unterirdischen Salzstöcken endgelagert. Der Glaubensschatz bleibt somit unangetastet. Aus Diplomatenkreisen hörte man bereits vereinzelt die Befürchtung, dass über die erwartungsgemäß mehrere Jahrtausende fortdauernden minimalen Zerfallsprozesse der Wahrheit, nicht doch einmal etwas auslaufen könnte. Insbesondere für das salzhaltige Weihwasser wurde daher der Bau besonders korrosionsbeständiger Castoren beauftragt. Für den Fall, dass etwas in den Endlagerstätten austreten sollte, wird der auf Lebenszeit verpflichtende Geheimbund mit Erbrecht, namens „Tersus Sursum“ gegründet werden. Dieser soll künftig und bis zum Ende der Welt heimlich über die der Öffentlichkeit unbekannten Endlagerstätten wachen und zu ggf. erforderlichen Noteinsätzen unter Tage ausrücken. Diskret natürlich.

Hallo? Noch jemand da? Besonders die Journalisten unter Ihnen, die gerne über den „nötigen Fortschritt in der katholischen Kirche“ berichten, möchte ich eine ehrliche Antwort auf nur eine einzige Frage abringen:

Was bedeutet „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ für mich und meinen Lebensweg?

Wichtige persönliche Anmerkung: Dieses kleine „Echo“ auf die Medienreaktionen zur Familien-Synode hat keineswegs eine etwaige Diskreditierung des hochverehrten Papstes Franziskus zum Inhalt, sondern stellt eine satirische Sicht auf die immer wieder gestellten Forderungen an die Kirche dar, sich letztlich nicht mehr vom Rest der Welt zu unterscheiden. Wie würde es aussehen, wenn der Papst (wer immer es auch sei) diesen Forderungen nachginge? ❦

Bildnachweis: Eigenes Foto

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